21.05.2012 von Kommentar schreiben

Wie textet man für Twitter? Storytelling mit unter 140 Zeichen

Texten für Twitter – Storytelling in 140 Zeichen

Gastbeitrag von Birgit Schultz

Wer sich je mit dem Verfassen einer SMS geplagt hat, wird bei Twitter vor noch größere Herausforderungen gestellt. Statt 160 stehen nur 140 Zeichen für die Botschaft zur Verfügung. Das macht Storytelling auf dieser Plattform zu einer echten Herausforderung. Doch gerade Beschränkungen bringen häufig besonders kreative Lösungen hervor. So auch bei dem Microblogging-Dienst, der in Deutschland jetzt im Frühjahr 2012 beginnt, immer mehr Fahrt aufzunehmen.

Im Englischen braucht es nur wenige kurze Wörter, um etwas zu sagen. Deutsch ist da schon etwas - sagen wir - raumgreifender. In Japan ist der Dienst besonders erfolgreich. Da ein einzelnes Kanji-Zeichen bereits ein komplettes Wort darstellt, lässt sich auf Japanisch in 140 Zeichen vermutlich gleich eine ganze Kurzgeschichte unterbringen.

Bevor man sich nun an die Königsdisziplin "Storytelling" wagt, sollte man zunächst auf jeden Fall erst einmal Erfahrungen mit Twitter überhaupt sammeln. Welche Themen interessieren die Follower, welche Gespräche finden statt, wie ist der allgemeine Umgangston und welche Abkürzungen werden verwendet?


Sprache und Abkürzungen

Normalerweise lautet mein Motto beim Schreiben: "Keine Abkürzung ohne Not!" - bei Twitter liegt der Fall schon etwas anders. Die gängigen Abkürzungen sind sicher kein Problem und allgemeinverständlich. Sollten jedoch Schlüsselbegriffe abgekürzt werden, achten Sie besser auf Allgemeinverständlichkeit.

Für Allerweltstweets sind Vorbereitungen nicht unbedingt erforderlich, sie leben gerade von ihrer Spontanität. Für das Storytelling dagegen ist es sinnvoll, die Tweets gut vorzubereiten. Hilfreich sind dabei Editoren, die die Anzahl der getippten Zeichen gleich mitzählen, denn wer will schon versehentlich einen unfertigen Tweet absenden? Als kleine schnelle Editoren kann ich WriteMonkey oder Notepad++ empfehlen, die die Anzahl der geschriebenen Zeichen in der Statusleiste anzeigen.


Das Gesetz der Serie

Haben Sie nur wenig Raum zur Verfügung, müssen Sie sich etwas anderes einfallen lassen, um eine umfangreiche Story zu erzählen. Am einfachsten ist es, eine Serie zu einem bestimmten Thema zu planen. Wie in einem Fortsetzungsroman veröffentlichen Sie täglich und chronologisch ein Infobröckchen. Damit die Leser den Überblick behalten und auch spätere Einsteiger (neue Follower) mitlesen können, macht es Sinn, nicht nur einen einheitlichen Hashtag zu verwenden, sondern die Tweets auch durchzunummerieren. Beispielsweise tweete ich seit mehr als einem halben Jahr werktäglich einen kurzen Marketingtipp unter dem Hashtag #Marketingtipp. Diese Tipps bereite ich für die kommenden sechs bis acht Wochen vor, so dass es genügt, sie einmal wöchentlich bei Hootsuite einzupflegen und die zeitversetzte Aussendung zu planen. So kommt es bei den Tipps auch zu thematischen Clustern, je nach dem, was mir in der Planungsphase für die Tweets gerade besonders interessant oder wichtig erscheint. Dieses "Format" ist natürlich für in sich abgeschlossene kleine Themen optimal. Doch was spricht dagegen, sich auf diese Art an einem Fortsetzungsroman oder einem Fachtext zu versuchen?


Single Post - Single Story

Dem Serienschreiben entgegen steht das Verfahren des "Single Post - Single Story", soll heißen, dass in einem einzigen Post bereits die gesamte Story erzählt sein sollte. Für Schriftsteller beispielsweise ist dies eine eigene und ganz besondere Herausforderung und es gibt tatsächlich sogenannte "Twitternovels", die mithilfe des elliptischen (auslassenden) Schreibens in unter 140 Zeichen eine ganze Geschichte im Kopf des Lesers entstehen lassen.

Für den "normalen" Twitterer gibt es aber ebenfalls genug Anlässe, seine Botschaft in einem einzigen Tweet zu posten. Was kann man also tun?

Fängt man erst an zu twittern, sollte man im ersten Schritt nicht auf die Textlänge achten. Wichtig ist es, den Gedanken festzuhalten, die Botschaft zu formulieren. Im zweiten Schritt, der Überarbeitung, werden dann als erstes die Füllsel gelöscht.

Füllsel, die ich immer löschen muss sind beispielsweise:

  • ja
  • also
  • eben
  • doch
  • einfach
  • gern

Dann kann man schauen, welche Wörter sich sinnvoll durch ein kürzeres Synonym ersetzen lassen. Abkürzungen sollte man auch bei Twitter erst dann verwenden, wenn es gar nicht anders geht.

Ersetzen lassen sich beispielsweise:

  • häufig durch oft
  • Unternehmen durch Firma
  • ausgeschriebene Zahlwörter durch die Ziffern (zwei durch 2)
  • und durch + oder &
  • Grad durch °
  • einmal durch mal
  • trotzdem oder allerdings durch doch

In der Regel ist das Aktiv kürzer als die passive Form, gut geeignet sind auch Imperative. Statt mit Gedankenstrichen zu arbeiten, ist oft ein Doppelpunkt sinnvoller, weil ein Leerzeichen eingespart wird. Wo passend, kann bei zwei separaten Wörtern, die gemeinsam einen feststehenden Begriff bilden, das Leerzeichen weggelassen werden. Statt Social Media schreibt man dann SocialMedia. Das sind zwar nur einzelne Buchstaben, aber die können entscheidend sein.

Als Abkürzungen haben sich beispielsweise eingebürgert:

  • GuMo für Guten Morgen
  • RT für Retweet
  • MT für Mention (Erwähnung)
  • Thx für Thanks (Danke)


… und wenn das alles nicht reicht?

Manchmal hat man eben doch einfach mehr zu sagen - und auch dafür gibt es Lösungen. Wird die Botschaft länger als 140 Zeichen, so kann man den Dienst Twitlonger einsetzen.


Der vorangegangene Absatz ist beispielsweise 187 Zeichen lang und unter dieser Adresse bei Twitlonger abrufbar: http://tl.gd/he3b2p. Bei Twitter sieht der Post dann so aus:
 

Twitlonger Post


Wenn man nicht ohnehin darauf kommt, dass man stattdessen dasselbe auch in nur 65 Zeichen sagen könnte:

"Wenn man mal wieder mehr Platz braucht: http://www.twitlonger.com"

Für diejenigen, die der Meinung sind, dass sowieso ein Bild mehr als Tausend Worte sagt, gibt es mit http://twitpic.com/ ebenfalls eine Lösung.

Last but not least sollte man nicht vergessen, dass Twitter sich natürlich auch ausgezeichnet eignet, auf Posts im eigenen Blog, bei Facebook oder bei Pinterest zu verlinken. Wenig Erfolg haben Tweets in der Form von „Hier mein neuester Blogbeitrag: http://bit.ly/xyzabc". Darum gelten die Tipps aus diesem Beitrag auch in diesem Fall. Denn mit dem Tweet soll der Leser ja auf den Hauptinhalt neugierig gemacht werden - und das geht nur durch eine Erwartungshaltung, die beim Leser geweckt wird, eben eine "Story".

Birgit Schultz

Über die Autorin

Birgit Schultz ist Spezialistin für praktisches und preiswertes Marketing für KMU. Seit 2003 ist sie als freiberufliche Marketing-Beraterin tätig. Im Netz findet man sie geschäftlich bei XING, Facebook, Twitter, Google+ und ihrem eigenen Weblog, dem Marketing-Logbuch.

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